Mit Vollgas ins Seminar
Train the Trainer Qualifizierung bei der Robert Bosch Elektronika Kft in Ungarn
Robert Bosch Elektronika Kft Werk Hatvan (Ungarn)
Mit rund 2.900 Mitarbeitern ist Hatvan - 55 Kilometer von Budapest entfernt - der größte Bosch-Standort in Ungarn. Im Geschäftsbereich Automotive Electronics (AE) werden hier eine Vielzahl unterschiedlicher Bauteile für die weltweite Automobilindustrie hergestellt.
Die Ausgangssituation
Bei Bosch in Hatvan ist 2006 das Expansionsjahr. Hier wird neben dem Bau einer vierten Fertigungshalle, dem Hochlauf von zehn neuen Fertigungslinien, der Einstellung von fast 1.000 neuen Mitarbeitern auch eine weitreichende Softwareumstellung vollzogen. Als letztem Werk innerhalb des Geschäftsbereichs AE in Europa wird bis Jahresende die speziell auf Bosch zugeschnittene Standardsoftware UBK-RM auf Basis SAP R/3 ausgerollt. Der Go Live-Termin ist für den 01.01.2007 festgelegt. Das Implementierungsprojekt hat am 16.05.2006 begonnen seitdem arbeiten rund 130 Projektmitarbeiter an der Einführung des neuen Systems. Nach Projektdefinition, Prozessplanung, der ersten Datenmigration und zahlreichen Tests, bereitet das Projektteam seit Juli 2006 die Qualifizierung der Endanwender vor.
Qualifizierung von 1.500 Anwendern
Zwischen Anfang Oktober und Mitte Dezember sollen rund 1.500 SAP Endanwender geschult werden. Geplant sind 76 verschiedene Trainingseinheiten mit einer Dauer von 30 Minuten bis zu zwei Tagen sowie eine durchschnittliche Teilnahme von drei Schulungen pro Mitarbeiter. Dieser hohe Qualifizierungsaufwand ist erforderlich, um den Mitarbeitern das nötige Know-how im Umgang mit der neuen Software zu vermitteln und so einen reibungslosen Übergang auf das neue System in 2007 zu garantieren.
Internes Trainer-Konzept
Bosch setzt in allen SAP-Einführungsprojekten auf die Qualifizierung durch interne Trainer, um das Know-how langfristig an den Standorten zu sichern. Dieses Konzept hat sich in den bislang erfolgreich abgewickelten Einführungsprojekten bewährt. Es wurde vom zentralen Roll-Out Team G11/PJ-SAP6 gemeinsam mit externen Dienstleistern entwickelt und wird jeweils speziell an die einzelnen Standorte angepasst. In die Enduser-Qualifizierung in Hatvan sind insgesamt 75 Trainer eingebunden. Die meisten davon sind eben jene internen Trainer, d. h. Mitarbeiter aus den Fachabteilungen, die als Projektmitarbeiter oder Key-User im Projektverlauf Seminare und Coachings für ihre Kollegen durchführen. Um für diese Schulungen fit zu sein, nehmen sie an einer vorgeschalteten, sehr kompakt konzipierten Train The Trainer (TTT)-Qualifizierung teil. Bei der Planung dieser Maßnahme haben wir großen Wert darauf gelegt, dass kein Mitarbeiter unfreiwillig als Trainer eingesetzt wird und dass alle das notwendige Repertoire an Methoden, Tipps und Tricks mitbekommen, um effektive Schulungen durchführen zu können, fasst András Molnár, Projektleiter Robert Bosch Hatvan, die Ausgangslage im Sommer 2006 zusammen.
Qualifizierungspartner
Die guten Erfahrungen aus anderen Projekten in Deutschland, u. a. im Bosch AE-Werk in Ansbach und die flexible Reaktion auf die Anfrage aus Hatvan haben dazu geführt, die Unilog Integrata Training als Partner mit ins Boot zu holen, um die TTT-Maßnahmen zu entwickeln und durchzuführen. Man hätte sicherlich auch eine Berater-Firma in Ungarn finden können, die TTT-Seminare durchführt, aber die langjährige Erfahrung und das trainingsspezifische Know-how im Zusammenhang mit UBK-RM haben klar für Unilog Integrata gesprochen, begründet András Molnár die Entscheidung.
Herausforderungen
Neben der Vorgabe mit kurzen, kompakten Trainingsbausteinen operieren zu müssen um innerhalb des sehr eng terminierten Trainingskalenders zu bleiben – alle TTT-Maßnahmen sollten innerhalb von 7 Wochen bis spätestens Ende September 2006 durchgeführt werden – stellte natürlich die Sprache eine besondere Herausforderung dar.
Um den unterschiedlichen Sprachkenntnissen (ungarisch/deutsch) in den Teams der vorgesehenen Trainer Rechnung zu tragen, entschieden sich die Projektverantwortlichen dafür, mit Simultandolmetschern zu arbeiten. “Sicher gab es im Vorfeld die Befürchtung, dass die Sprache zu einem Problem werden könnte. Diese Hürde haben wir durch den Einsatz von Dolmetschern aber überwunden und es gab keine Verständigungsschwierigkeiten", fasst András Molnár, zusammen.
Inhaltliche Konzeption
Anfang August wurden innerhalb weniger Tage drei zentrale Trainingsbausteine konzipiert. “Dabei haben wir den Praxisbezug klar in den Vordergrund gestellt, d. h. nach einer extrem kurzen Theoriephase ging es jeweils gleich an das Doing. Dadurch blieben die Trainings trotz umfangreicher Inhalte sehr kompakt", beschreibt Jan Heinemann, Projektleiter und Trainer der Unilog Integrata die Konzeptions- und Entwicklungsphase.
Die Trainingsbausteine im Überblick:
Train the Author Seminar
(2 Durchführungen à 1 Tag)
Ziel:
- Vereinheitlichung der Seminarunterlagenerstellung gemäß der zentralen Vorgaben von G11/PJ-SAP nach Bosch Corporate Identity
- Nutzung von bereits vorhandenem Wissen aus anderen Bosch-Werken
Inhalt:
- Konzept der Anwenderdokumentation bei Bosch
- Methoden, Tools und Werkzeuge bei der Wissensdokumentation (Templates)
- eDoBas – Wissensmanagementsystem
Train the Trainer Seminar
(9 Durchführungen – 2 Tage)
Ziel:
- Konsequente Erprobung und praktische Anwendung des Wissens bereits im Seminar
- Umfangreiche Feedbackschleifen für größtmöglichen Trainingserfolg
Inhalt:
- Inhaltliche Planung und Konzepterstellung
- Erstellung eines Seminarablaufs (Regieplan)
- Visualisierungstechniken
- Umgang mit Teilnehmern
- Ausgewählte Themen der Kommunikation
- Praxiseinheiten – Durchführung von Lernsequenzen
Coaching der Trainer 2 Wochen nach Trainingsbeginn
(3 Durchführungen à 1 Tag)
Ziel und Inhalt:
- Einrichtung von “Sprechstunden" für die ausgebildeten Trainer nach Schulungsbeginn.
- Diskussion und Beratung durch Jan Heinemann
- Kurzbesuche einzelner SAP-Trainings durch Jan Heinemann, inkl. anschließendem Feedback und Verbesserungsvorschlägen
- Erste Erfahrungen der internen Trainer nutzen um “Offenes" zu klären und um am “Feintuning" zu arbeiten
András Molnár und Jan Heinemann
Besonderheiten
Basis für alle Veranstaltungen waren speziell konzipierte Unterlagen in deutscher Sprache. Alle Trainings wurden von Jan Heinemann auf deutsch durchgeführt.
Bei den beiden Train the Author Seminaren erfolgte in einem Fall eine Simultanübersetzung ins Ungarische. Die Train the Trainer Seminare wurden zum Großteil simultan übersetzt. Seminarunterlagen, Flipchart- und Pinwandaushänge wurden jeweils im Vorfeld ins Ungarische übersetzt. So wurde sichergestellt, dass jeder Teilnehmer die passende Seminarsprache und entsprechende Unterlagen zugewiesen bekam, dass aber auch die gesamte Qualifizierung vom selben Trainer entwickelt und durchgeführt wurde, sodass alle Teilnehmer hinterher den gleichen Wissensstand aufweisen. Das Coaching nach Trainingsbeginn stellt eine weitere Besonderheit dar: “Ziel des Projektleiters war es von Anfang an, seinen Trainern zu signalisieren, dass auch mit Trainingsbeginn professionelle Hilfe zur Verfügung steht", bringt Jan Heinemann die Strategie auf den Punkt und ergänzt: “András Molnár hat als Projektleiter den Stellenwert der Trainings für sein Projekt erkannt und entsprechend gehandelt."
Projektabschluss und Feedback:
Im Zeitraum Mitte August bis Ende September 2006 durchliefen 75 Mitarbeiter die beiden Seminare und nehmen seit Oktober auch die nachgelagerten Coachings in Anspruch.
Das Feedback von Teilnehmern und Projektleitung war durchweg sehr positiv:
“Die Zusammenarbeit im Projektteam hat hervorragend funktioniert und die Ergebnisse der Schulungen sind phantastisch" (András Molnár)
“Alle Mitarbeiter haben super mitgezogen. So konnten wir im Rahmen der Kompaktseminare alle fit für ihre anstehenden Traineraufgaben machen!"(Jan Heinemann)
“Ich habe erkannt, wie wichtig eine gute Vorbereitung eines Seminars ist" (Teilnehmer)
“Praxis pur! Ein großes Lob von mir. Vielen Dank!" (Teilnehmer)
“Das Seminar hat mir interessante und effektive Wege aufgezeigt, wie ich mit meinen Teilnehmern umgehen sollte" (Teilnehmer)
“Vielen Dank für dieses abwechslungsreiche Seminar, ich freue mich schon auf meine ersten Trainings!" (Teilnehmer)
“Dank Herrn Heinemann habe ich sehr viel an Sicherheit für meine Trainings gewonnen!"(Teilnehmer)
Fazit und Ausblick:
Bis am 01.01.2007 UBK-RM am Standort Hatvan eingeführt wird, werden über 1.500 User mit dieser neuen Standardsoftware vertraut gemacht. Die zugrunde liegende Qualifizierung der Mitarbeiter wurde ausschließlich mit Bosch-eigenen Kapazitäten durchgeführt, für die diese Maßnahme eine gewaltige Herausforderung darstellte. Key-User und interne Trainer durchliefen daher als optimale Vorbereitung auf dieses Schulungsprojekt zwei sehr kompakt gehaltene TTT-Bausteine und ein nachgelagertes Coaching. Das Bosch-Projektteam konzipierte dafür - gemeinsam mit der Unilog Integrata Training als etablierter Bosch-Qualifzierungspartner - innerhalb weniger Wochen entsprechende Kurzseminare, die von einem Trainer durchgeführt wurden. Sprachbarrieren konnten durch den Einsatz von Dolmetschern problemlos überwunden werden. So wurde sichergestellt, dass alle Teilnehmer den selben Wissensstand und somit alle relevanten Methoden und Tools für eine effektive und erfolgreiche Seminargestaltung vermittelt bekamen.