

Die Getrag GmbH & Cie KG, Hersteller von Schaltgetrieben und automatischen Getrieben, hat ihre Zentrale in Untergruppenbach bei Heilbronn. Mit über 3.500 Mitarbeitern in Deutschland gehört sie zu den großen mittelständischen Unternehmen. |
![]() von links nach rechts: Martin Günter, Leitung Personal Getrag; Helga Riezler, Projektleiterin UIT; Markus Scheffler, Leiter Personalentwicklung Getrag; Robin Heine, Referent Personalentwicklung IT Getrag; Christine Widmann, Resourcenmanagement UIT; Werner Strotbek-Zeidler, Projektmanager UIT Als sich die Getrag-Verantwortlichen 1998 dazu entschlossen, das in Teilen bereits genutzte R/2 durch SAP R/3 zu ersetzen, wollte man zum einen die vielen, über Jahre entstandenen Insellösungen in der IT-Landschaft in ein einheitliches integriertes System überführen. Zum anderen führte auch die Abkehr von der funktionalen Organisation des Unternehmens hin zur Prozessorientierung zu einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Leistungsspektrum von SAP R/3. In R/2 wurden nicht alle Funktionalitäten genutzt. Welche Funktionalitäten sollten in R/3 zum Einsatz kommen? Dies würde ein weiteres Projekt ergeben. |
| Ein Projekt kommt selten allein |
Im Frühjahr 2000 wurde bei der Getrag ein umfangreiches Organisationsprojekt unter dem aussagekräftigen Namen "Fünf Stellhebel" ins Leben gerufen. Unternehmensweit wurden fünf Erfolgsfaktoren als Stellhebel identifiziert, die die Entwicklung wesentlich vorantreiben und das anvisierte Wachstum garantieren:
Die Stellhebel wurden entsprechend als Teilprojekte aufgesetzt. Man prüfte Unternehmensprozesse, strukturierte sie teilweise neu und versah sie mit neuen Verantwortlichkeiten. Zum Abschluss des Teilprojekts "Prozessfähigkeit" wurde SAP als Projekt aufgesetzt. Die Entscheidung hinsichtlich der R/3 -Funktionalitäten war getroffen: Denn um die vielfältigen IT-Systeme adäquat ersetzen zu können, sollten weitestgehend alle Funktionalitäten von SAP R/3 zum Einsatz kommen. |
| Partner in der Projektorganisation |
Die konsequente Einbindung der Key User als Grundkonzeption des Projekts war von vornherein klar. Mit einer Kapazität von bis zu 100 Prozent waren auch die Mitarbeiter der anderen Standorte Ludwigsburg, Neuenstein, Oberstenfeld, Bad Windsheim und Rosenberg in die Projektteams eingebunden und brachten Informationen über das Projekt in die Standorte zurück. Als im Frühjahr 2001 die Unilog Integrata Training AG (UIT) als Partner für das Qualifizierungsprojekt in das Gesamtprojekt einbezogen wurde, traten die Projektleiterin der UIT, Helga Riezler, und der Projektmanager und UIT-Vertriebsleiter, Werner Strotbek-Zeidler, ebenfalls diesem Projektbeirat bei. Diese Verankerung des Qualifizierungspartners in der Projektorganisation sollte sich schon bald als ein wichtiger Erfolgsfaktor herausstellen. |
| Pilotschulungen des Projektteams |
"Die Auswahl eines Qualifizierungspartners ist zunächst eine Frage des qualifizierten Angebots und eines stimmigen Preis-Leistungs-Verhältnisses", so der Projektleiter des Schulungsprojekts bei Getrag, Martin Günter. "Für die gemeinsame Realisierung eines umfangreichen Qualifizierungsprojekts ist Verlässlichkeit hinsichtlich Qualität des Konzepts sowie der Schulungsdurchführung oberstes Gebot. Denn die Qualifizierung der Endanwender entscheidet letztendlich über Akzeptanz oder Verweigerung des neuen Systems." Das Qualifizierungskonzept und die ausführenden Trainer mussten hohen Anforderungen genügen, um den Erfolg der Einführung auch nachhaltig sicherzustellen. Als eine Stufe der Qualitätssicherung wurden deshalb vor der eigentlichen Auftragsvergabe Pilotschulungen in Form von Prozess-Qualifizierungen der Projektteams mit drei möglichen Anbietern durchgeführt. Auch hier überzeugte die UIT und war somit als Qualifizierungspartner im Boot. |
| Rollendefinition in moderierten Key User Workshops |
Die interne Definition von an Unternehmensprozessen orientierten Rollen bildete die Basis für erste konzeptionelle Überlegungen bezüglich Schulungsinhalten, Zeit- und Mengengerüst. Um die von Getrag vorgeschlagenen Rollen noch griffiger in Richtung Schulungsrollen zu gestalten, führten Experten der UIT zusammen mit den Key Usern jeweils halbtägige Work-shops in den Themenbereichen Logistik (MM, PP, SD, PM, QM, und IM), FI/CO und HR durch, in deren Verlauf die jeweiligen Prozessketten im R/3 mit den vorhandenen Prozessen und Rollen bei Getrag abgeglichen wurden. Resultat der Workshops waren konkrete Rollendefinitionen, die die Basis für die Feinplanung der Qualifizierungskonzeption bildeten. Die Unterlagenentwicklung konnte beginnen. |
| 1.400 User, 45 Rollen, 400 Seminartage |
Von den 1.700 Mitarbeitern, die den Umgang mit R/3 lernen sollten, durchliefen 1.400 die Seminare der UIT. Den eintägigen Trainings zur Handhabung von R/3, die in einem Block in sechs Räumen an den vier Standorten Ludwigsburg, Rosenberg, Neuenstein und Oberstenfeld parallel durchgeführt wurden, schlossen sich die ca. 200 Rollenschulungen an. Aufgrund des kurzen Zeitraums von knapp sechs Monaten bis zum Produktivstart wurde parallel zu den Trainings intensiv im optimal ausgestatteten Projektraum der Getrag an den Seminarunterlagen gearbeitet. Zeitweise waren bis zu 30 UIT-Experten bei der Getrag im Einsatz, die 45 Seminarunterlagen neu bzw. weiterentwickelt haben.
Die Rollenschulungen starteten mit sechs Räumen an fünf Standorten - Bad Windsheim kam als weiterer Standort der Getrag hinzu, zwei zusätzliche Räume wurden in der Endphase des Projekts im September/ Oktober eingerichtet. |
| Change Management als Erfolgsgarant in Großprojekten |
Bei Projekten dieser Größenordnung treten immer gewisse Hürden auf, die es zu überwinden gilt. Ein erfolgreiches Projekt unterscheidet sich von einem erfolglosen deshalb nicht darin, ob diese Hürden auftreten, sondern wie damit umgegangen wird. Change Management war auch beim Getrag-Projekt einer der zentralen Erfolgsfaktoren, da es eine Vielzahl von Herausforderungen zu bewältigen galt: Die Phase der Definition der Schulungsrollen ist entscheidend für den weiteren Verlauf eines Projekts. Im Vorfeld waren intern zahlreiche und detaillierte Rollen erhoben worden, die sehr kleine Qualifizierungsbausteine zur Folge gehabt und einen sehr hohen Organisationsaufwand mit sich gebracht hätten: "Jeder Mitarbeiter hätte seinen eigenen Fahrplan benötigt, die Gruppengrößen für die Trainingsmaßnahmen wären sehr klein gewesen", so Helga Riezler. Für Martin Günter war die Auflösung des Zwiespalts zwischen den Erwartungshaltungen der Key User und dessen was zum Projektbeginn in Absprache mit UIT festgelegt hatte, eine Herausforderung im Vorfeld der Maßnahmen. Aber in enger Zusammenarbeit zwischen den Teilprojektleitern von Getrag und der UIT ist es gelungen, eine Vermittlung zwischen dem Wunsch nach rollenbasierter Qualifizierung und der Zusammenfassung mehrerer Rollen entsprechend den Arbeitsplatzprozessen, die abgebildet werden sollten bzw. der Zusammenfassung dieser Gruppierungen in Seminaren, zu leisten. Eine weitere große Aufgabe für alle Beteiligten bestand in der parallelen Abwicklung mehrerer Projekte bei Getrag: So veranlasste beispielsweise das Stellhebelprojekt die Veränderung, Weiterentwicklung und Neueinführung von Unternehmensprozessen, die parallel im SAP-Implementierungsprojekt umgesetzt werden mussten. Zum Teil liefen Feinkonzepterstellung, Customizing und Erstellung der Seminarunterlagen gleichzeitig. Dies hat an alle Beteiligten äußerst hohe Anforderungen gestellt. Dass parallel noch die Umstellung auf Windows 2000 zu bewältigen war, bedeutete eine zusätzliche Belastung für alle. |
| Rückblick auf die Erfolgsfaktoren |
Was hat in diesem komplexen Arbeitsumfeld zum Erfolg des Projekts beigetragen? Zwei Faktoren spielten eine wesentliche Rolle: Die sehr transparente und konstruktive Zusammenarbeit zwischen Getrag und der UIT und die Verankerung des Qualifizierungspartners im Projektbeirat. |
| Weiterschalten in den nächsten Gang |
Um bei den Mitarbeitern die Bereitschaft hochzuhalten, auch weiterhin mit den R/3-Anwendungen zu arbeiten, sind für die Zukunft neben der kontinuierlichen Neuqualifizierung gezielte Anwenderworkshops geplant. Je besser die Kenntnisse, desto leichter arbeitet es sich mit R/3; ein "Basteln" an eigenen Insellösungen wird dadurch verhindert. Dies wird ein Hauptaugenmerk der Personalentwicklung sein, die dieses Qualifizierungskonzept organisiert.
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