Anforderungen an das IT-Team von morgen

Die digitale Transformation bietet Chancen für sämtliche Geschäftsbereiche und -prozesse. Kein Wunder also, dass eine Capgemini-Studie zu den aktuellen IT-Trends 2017 feststellt, dass drei Viertel aller CIOs diese Transformation ihres Unternehmens forcieren sollten. Dazu gehören beispielsweise die Ausweitung der eigenen Strukturen in die Cloud und ein steigender Einsatz von Big Data. Aus dem Stegreif gelingt der Wandel aber nicht. Die IT-Abteilungen von morgen sollten sich daher auf vier zentrale Anforderungen vorbereiten:

 

1. IT-Komplexität reduzieren

Viele IT-Teams verwenden zu viel Arbeitszeit darauf, stockende Systeme wieder in Gang zu bekommen. Das Problem ist eine im Laufe der Zeit stetig vielschichtiger und unübersichtlicher gewordene Unternehmens-IT. Beispielsweise werden ältere Anwendungen weiter betrieben, obwohl parallel neue Anwendungen mit fast identischem Funktionsumfang zum Einsatz kommen oder manche Funktionen schlicht obsolet sind. Eine strikte IT-Governance sollte überwachen, ob die eingesetzten Applikationen überhaupt den strategischen Zielen und unternehmensrelevanten Prozessen dienen – und sie gegebenenfalls abschalten.

Auch in der IT-Infrastruktur stecken zahlreiche Komplexitätsquellen: verschiedene Hardwarekonfigurationen einer gewachsenen Serverlandschaft, nebeneinander betriebene Netzwerke, eine umfangreiche Schatten-IT, die Kombination mit Cloud Services oder gemischte Systemwelten mit mangelnder Kompatibilität. Für IT-Teams heißt es künftig vermehrt, ein Komplexitätsmanagement aufzubauen und die eingesetzten Technologien zu reduzieren. Dabei hilft ein effizientes Monitoring, um die Schwachstellen und Flaschenhälse zu identifizieren.

2. Innovationen gestalten

Eine zunehmende Herausforderung für IT-Teams ist es, zwei sich scheinbar widersprechende Rollen auszufüllen: Zunächst haben sie als IT-Betreiber klassischerweise für den ungestörten Erhalt des Kernbetriebs zu sorgen. Gleichzeitig müssen sie aber auch Weiterentwicklungen und Innovationen voranbringen, deren Einführung immer ein erhöhtes Ausfallrisiko mitbringt. In Zeiten von schnellen Release-Wechseln – bis hin zur Continuous Delivery – verlangt dieser Spagat einen deutlichen Kulturwandel: Nur wenn sich die Betreiber-Teams auch als Teil der Entwicklerseite begreifen und den gesamten Software Development Life Cycle im Blick haben, kann agile Softwareentwicklung ihre Stärken ausspielen.

Das dafür grundlegende Prinzip nennt sich DevOps. Ein Kunstwort, zusammengesetzt aus den beiden hauptsächlich beteiligten Bereichen: Development und Operations. Beide Seiten stimmen ihre Arbeitsprozesse eng aufeinander ab, kommunizieren und kooperieren. Für die Entwickler ist der durchgehende Austausch mit den Betreibern ein wesentlicher Kanal, um Innovationen zielgerichtet und effizient anzugehen. Auf Betreiberseite steigen die Ausfallsicherheit bei Release-Wechseln und die Zufriedenheit der Anwender, die rasch über benötigte Funktionen verfügen.

3. Die Cloud stärken

Unternehmen, die auf Cloud-Dienste zurückgreifen (egal ob SaaS, PaaS oder IaaS), möchten schnell und dynamisch über neue IT-Ressourcen verfügen. Die primären Kosten orientieren sich am tatsächlichen Bedarf, die Lösungen sind skalierbar und standortunabhängig, die eingesetzte Software bleibt stets aktuell. Der Weg in die Cloud ist aber auch deshalb so attraktiv, weil sich damit technologische Anforderungen auslagern lassen: Um Fragen wie Kompatibilität, Patches und Hotfixes, Sicherheitsbestimmungen oder Hardware-Ressourcen müssen sich zuvorderst die Anbieter kümmern. IT-Teams sollten Cloud-Dienste daher nutzen, um sich stärker auf ihre Kernaufgaben zu konzentrieren und Innovationen wie mobile Geschäftsprozesse zu konzipieren.

Die Auswahl von passenden Cloud-Anbietern ist für CIOs oft eine unerwartete Hürde. Denn es muss nicht nur der erwartete Nutzen, der durch neue Funktionen, Einfachheit, Agilität und Effizienzgewinne entsteht, verglichen werden. Vielmehr ist der gesamte Prozess im Laufe der Zeit zu betrachten: Wie steht es um die Datenmigration? Welche Skalierbarkeit ist geboten und welcher zukünftige Bedarf wird erwartet? Außerdem sollten sich IT-Teams auf die häufig sehr standardisierten und dynamischen Cloud Services umfassend vorbereiten. In der Cloud ist ein völlig anderes Betriebskonzept gefragt als bei eigenen Rechenzentrumsleistungen. Hier warten neue Herausforderungen auf das Infrastruktur- und Application-Management.

4. Big Data handhaben

Die aus unzähligen Quellen sprudelnden Daten werden für die Wertschöpfung immer wichtiger. Sie zu sammeln und auszuwerten stellt, viele Unternehmen jedoch vor ungeahnte Probleme. Zunächst spielen Rechts- und Sicherheitsbedenken eine große Rolle. Auch IT-Verantwortliche sollten sich in rechtlichen Fragen auf dem Laufenden halten und eine rechtskonforme Datenanalyse konzipieren. Zugleich fehlt es vielen Unternehmen aber an einer generellen Big-Data-Strategie: Welches Ziel soll erreicht werden? Welche Daten sind relevant? Wo sind ihre Quellen? Welche Tools werden zum Erfassen, zum Management und zur Analyse benötigt? Welche Funktionen sorgen durch Zugriffskontrollen oder sicheres Löschen für Datenschutz?

Insbesondere für die Erhebung und Verarbeitung der Daten, das Processing, ist technisches Know-how in der IT-Abteilung gefragt. Das beginnt bei der Datenintegration, um Informationen aus dem ERP-System, von Sensoren, Formularen oder Social Media zusammenführen. Aber auch Anwendungen und Dashboards zum Ad-hoc-Reporting, zur Analyse und Planung müssen betrieben werden. Nicht zuletzt sind IT-Teams auch gefordert, In-Memory-Lösungen, die große Datenmengen in Echtzeit verarbeiten können, in die bestehende IT-Infrastruktur zu integrieren.

Multidisziplinäre Strategen

Bei allen Anforderungen steht ein Wandel im Zentrum: Die IT-Teams werden in Zukunft nicht nur IT-technische Aufgaben erfüllen und Innovationstreiber sein. Sie werden zusehends auch neue Modelle der Wertschöpfung, neue Produkte und Dienstleistungen entwickeln. Da aber jede Innovation ein ganzes Bündel an neuen Anforderungen und benötigten Fähigkeiten nach sich zieht, reicht es für die Abteilungen nicht länger aus, in den traditionellen Aufgaben zu glänzen. Die IT-Profis von morgen müssen sich auch mit strategischen Geschäftszielen befassen und generell einen offenen Blick weit über den eigenen Tellerrand trainieren.

Für Softwareentwickler kann das zum Beispiel bedeuten, sich mit Domain Driven Design auseinanderzusetzen. Wie beim DevOps-Ansatz steht auch hier der Perspektivwechsel im Zentrum: Denn das Design von komplexer Software sollte sich immer an der Domäne ausrichten – also am Benutzer, seinem Einsatzbereich im Fachgebiet, sowie an der zugrundeliegenden Fachlogik. Um ein klares Bild davon zu erhalten, erstellen Entwickler und Anwender gemeinsam ein Domänen-Modell, das die Anwenderwirklichkeit vereinfacht beschreibt. Dafür allerdings müssen sich beide Seiten zunächst auf gemeinsame Begrifflichkeiten einigen, eine universelle Sprache finden. Und auch wenn es trivial klingt, viele Projekte scheitern nicht an zu großer Komplexität, sondern schon am Fehlen eines gemeinsamen Vokabulars zwischen Nutzern und Entwicklern.

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