Im Gespräch bleiben: Kommunikationskompetenz als Schlüsselqualifikation

Wir sind Kommunikationsjongleure. Über digitale Kanäle – Messenger, soziale Netzwerke oder E-Mail – sind wir ständig mit anderen in Kontakt. Es ist ja auch so einfach: Ein Klick auf den „Gefällt mir“-Button zeigt unsere Zustimmung zu einem Beitrag, eine kurze Nachricht an die WhatsApp-Gruppe lässt uns teilhaben an einer Diskussion. Die digitale Kommunikation hat unser Leben und unsere Beziehungen zu anderen grundlegend verändert und es ist wichtig, dass wir sie beherrschen. Doch diese Art der Kommunikation ist extrem verkürzt. Die Inhalte müssen sich den Vorgaben der Technik anpassen und der Austausch findet meist nur auf einer Ebene statt. Das gute alte Gespräch von Angesicht zu Angesicht dagegen umfasst verbale und nonverbale Ebenen – wie Gestik, Mimik oder Tonlage. Miteinander sprechen, diskutieren und verhandeln, Smalltalk halten und Konflikte austragen – wer diese Formen des persönlichen Austauschs nicht wertschätzt und pflegt, wird unerfüllt und erfolglos bleiben. Kommunikative Kompetenz ist eine entscheidende Grundlage, um Teams zu führen, Lösungen in schwierigen Verhandlungen zu finden und Networking zu betreiben.

Kommunikation: mehr als tausend Worte

Melanie Schiefer steht vor ihrem Team, um den Start eines neuen Projekts einzuläuten, von dem sie eigentlich hellauf begeistert ist. Doch ihre Laune ist schlecht: Gerade hat ihre beste Freundin zum wiederholten Male ein gemeinsames Essen abgesagt und anschließend kippt sich Melanie auch noch Kaffee über die Bluse. „Ich bin hoch motiviert und fest davon überzeugt, dass unser Projekt großartig ankommt“, eröffnet sie die Runde. Dabei spricht sie leise, steht gebückt und wirft die Stirn in Falten. In den nächsten Tagen wundert sich Melanie, dass ihr Team das Projekt nur zögerlich und unmotiviert angeht.

Was hier passiert, spiegelt unser tägliches Erleben: Wir kommunizieren auf verschiedenen Ebenen – nicht nur mit Worten. Der Kommunikationspsychologe Paul Watzlawick hat in seinen kommunikativen Grundregeln beschrieben, dass es beim zwischenmenschlichen Austausch nicht nur auf die bloße Informationsvermittlung ankommt. Vielmehr entscheiden Gestik, Mimik oder der Tonfall des Sprechers darüber, wie die Inhalte aufgefasst werden. Stimmen die Botschaften auf den verschiedenen Kanälen – wie im Fall von Melanie Schiefer – nicht überein, kommt es zu sogenannten Doppelbotschaften, die bei den Empfängern Missverständnis und Frustration auslösen. Deshalb ist es wichtig, sich die eigene Körperhaltung, Mimik und Sprechweise bewusst zu machen, zu kontrollieren und bewusst einzusetzen, wenn wir möchten, dass unsere Botschaften richtig ankommen.

Natürlich bedeutet das nicht, dass Worte und Informationen unwichtig sind. Basis einer gelungenen Kommunikation ist es, auf allen Ebenen achtsam zu sein. Wie das gelingt, lässt sich mit den richtigen Techniken erlernen und einüben. Ein gutes Gespräch ergibt sich manchmal ganz von selbst. Aber gerade im Beruf, wo Menschen aufeinander treffen, die in wenig persönlichen Beziehungen zueinander stehen – bedarf es einer ganzheitlichen Gesprächsstrategie.

Miteinander sprechen statt gegeneinander

Vor dem Gespräch steht die sorgfältige Planung: Was will ich erreichen, was möchte mein Gesprächspartner? Wie können wir beide unsere Ziele erreichen? Im tatsächlichen Gesprächsverlauf ist es wichtig, den anderen wahrzunehmen und ihm zu signalisieren, dass sein Standpunkt ernst genommen wird. Eine zentrale Technik ist hierbei das Aktive Zuhören: Dem Sprecher immer wieder Empfangsbestätigungen senden – zum Beispiel „ich verstehe“, „ja, ist angekommen“ oder durch ein Kopfnicken. Hilfreich ist auch, dass Gehörte noch einmal in eigenen Worten zusammenzufassen. Wenn der Gesprächspartner sich auf solche Weise wertgeschätzt und verstanden fühlt, wird er eher bereit sein, auf den anderen einzugehen.

Für größere Gesprächsrunden ist es sinnvoll, im Voraus klare Diskussionsregeln aufzustellen. Etwa: jeder lässt den anderen ausreden, jeder kommt zu Wort, jede Aussage wird zunächst neutral bis positiv aufgenommen, ohne umgehend mit Widerspruch und Bedenken abgeschmettert zu werden.

Achtsam zum Erfolg

Wenn Gespräche, ob zu zweit oder in größerer Runde, scheitern, mag es daran liegen, dass die Dialogpartner nicht wirklich in Kontakt miteinander kommen, sondern sich nur in ihren eigenen Köpfen bewegen. Dann kann es passieren, dass der Sprecher seine Gedanken nicht ordnet, bevor er spricht oder übersieht, dass die Auffassungskapazität des Gegenübers begrenzt ist. Fatal ist auch, wenn der Zuhörende nur mit sich beschäftig ist, schon an die eigene Erwiderung denkt – anstatt aufmerksam zuzuhören – oder sich an Details aufhält, ohne die eigentliche Botschaft zu erfassen. Missverständnisse und ein Gefühl des Unverstanden-Seins sind vorprogrammiert. Um dem entgegenzuwirken, ist es hilfreich, in einen kontrollierten Dialog miteinander zu treten: In dieser Art des Austauschs gehen die Gesprächspartner achtsam miteinander um, hören aufmerksam zu und fassen die Gesprächsergebnisse immer wieder zusammen.

Um eigene Fehler wahrzunehmen und künftig zu vermeiden, ist das Feedbackgespräch ein nützliches kommunikatives Instrument. Damit Feedbacks für Sender und Empfänger gewinnbringend verlaufen, müssen auch hier einige Regeln beachtet werden. So sollten etwa grundsätzlich Ich-Botschaften („Ich habe den Eindruck, dass …“) gesendet werden, um die Subjektivität der Aussagen zu unterstreichen. Und auch hier ist es oberstes Gebot, achtsam miteinander umzugehen und Kritik konstruktiv zu halten: Jedes Urteil muss begründet und so konkret und einleuchtend wie möglich formuliert werden.

Das Netz der Kommunikation

Dass Kompetenz in Kommunikation und Dialog ein kaum zu unterschätzender Faktor für beruflichen Erfolg ist, zeigt sich auch beim Thema Networking: Der Aufbau und die Pflege von Netzwerken ist nicht möglich ohne gute persönliche Gespräche – sei es auf Messen, Barcamps oder im privaten Bereich. Netzwerke sind für den Einzelnen eine wertvolle Ressource zur Karriereentwicklung. Zugleich aber auch für das gesamte Unternehmen. Sie sind eine Art Pool, aus dem nützliches Erfahrungswissen, kreative Anstöße, potentielle Arbeitskräfte und Wettbewerbsvorteile geschöpft werden können.

Wer also seine Fähigkeiten im Bereich Kommunikation und Dialog gezielt weiterentwickelt, wird merken, wie elementar diese Kompetenzen sind und wie sie zu mehr Erfolg und besseren Beziehungen in zahlreichen Bereichen verhelfen.

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